Prof. Dipl.-Ing. B. Knuppertz
FH Düsseldorf


I. Kurze Geschichte des Fachbereichstages Elektrotechnik der Bundesrepublik Deutschland

Verschiedene Seiten hatten den VDE - mit Erfolg - gebeten, die Gründung eines dem "Fakultätentag für Elektrotechnik" der Universitäten analogen Gremiums für die Fachhochschulen bzw. entsprechende Einheiten an Gesamthochschulen zu initiieren.

Mit einem Gründungsaufruf, Vorschlägen zur Organisationsform und zur Tagesordnung wurden alle Leiter der Fachbereiche Elektrotechnik der Bundesrepublik mit Datum vom 19. Feb. 1973 vom damaligen Generalsekretär des VDE, Herrn Dr. Fleischer, eingeladen.

Die Gründungsversammlung des Fachbereichstages Elektrotechnik fand am 10. Mai 1973 im VDE-Haus in Frankfurt/Main statt. Die Leitung übernahm Herr Oberbaudirektor a.D. Paul Börner. An der konstituierenden Sitzung nahmen 50 Hochschullehrer aus den etwa 75 elektrotechnischen Fachbereichen teil.

Zum Vorsitzenden wurde Herr Prof. Waldemar Schuchardt, Fachhochschule Hamburg, gewählt. Seine beiden Stellvertreter wurden die Herren Prof. Günter Graubner, Fachhochschule Hannover, und Prof. Alfred Schrupp, Fachhochschule München.

Der Fachbereichstag Elektrotechnik sollte die Belange der anwendungsbezogenen Studiengänge in der Elektrotechnik vertreten. Eine wesentliche Aufgabe war der Erfahrungsaustausch, die Erarbeitung von fachlichen wie bildungspolitischen Stellungnahmen und Empfehlungen sowie die Zusammenarbeit mit anderen Gremien.

Als geschäftsführendes Organ des Fachbereichstages Elektrotechnik wurde noch auf der konstituierenden Sitzung ein Länderausschuß gebildet, der sich aus je einem Vertreter der Bundesländer und West-Berlins, sowie einem Vertreter der bundeseigenen Fachhochschulen zusammensetzte.

Der erste Länderausschuß wurde personell durch die jeweiligen Ländervertreter im allgemeinen durch Wahlen wie folgt besetzt:

Baden-Württemb.

Prof. B. Heim

FH Esslingen

Bayern

Prof. A. Schrupp

FH München

Berlin/West

Prof. G. Brhl

TFH Berlin

Bremen

Prof. H. Mller

HfT Bremen

Hamburg

Prof. W. Schuchardt

FH Hamburg

Hessen

Prof. F. Theda

FH Darmstadt

Niedersachsen

Prof. G. Neukamm

FH Wilhelmshaven

Nordrhein-Westf.

Prof. B. Knuppertz

FH Düsseldorf

Rheinland-Pfalz

Prof. K. Pander

FH RhPf./Trier

Saarland

Prof. H. Ballus

FH Saarbrücken

Schleswig-Holst.

Prof. B. Berendsen

FH Lübeck

Bund

Prof. E. Mathée

FH Dieburg/DBP

Unmittelbar nach der Gründung waren auch die damals anstehenden Probleme sofort im Länderausschuß präsent. Es ging um eine volkswirtschaftlich sinnvolle Gestaltung der Bildung und Ausbildung an den Hochschulen. Die Auseinandersetzungen um die Gesamthochschule als Regelhochschule (damals Bestimmung des Hochschulrahmengesetzes) spielten auch, bezogen auf die Elektrotechnik, eine wichtige Rolle. Schon früh legten sich die Vertreter der Elektrotechnik in dieser Frage fest. Universitäre Studiengänge und Fachhochschulstudiengänge in der Elektrotechnik wurden als bedarfsgerechter Normalfall betrachtet.

Die ersten Sitzungen des Länderausschusses in den Jahren 1973 und 1974 widmeten sich besonders den ständigen Problemen wie:

Die erste größere Aktion, mit der man an die Öffentlichkeit (Ministerien, staatliche Organisationen, Wissenschaftsorganisationen, Verbände usw.) trat, war seine "Stellungnahme zum Übergang zu anwendungs- und forschungsorientierten Studiengängen" vom 5.Okt.1973.

Eine zweite große Aktion war die Erarbeitung einer "Stellungnahme zur Ingenieurausbildung in anwendungsorientierten Studiengängen", die der Fachbereichstag Elektrotechnik in der zweiten Vollversammlung am 25.Okt.1974 in Frankfurt/Main verabschiedete. Die Satzung wurde ebenfalls nach kleinen Änderungen durch die Vollversammlung genehmigt.

Mit den verschiedenen integrierten Studienmodellen befaßte sich der Länderausschuß 1975 zuerst in Berlin. Hier erläuterte Prof. Dr. Tippe seine "27 Thesen" vor dem Länderausschuß und stellte nach der Diskussion fest, daß diese Thesen ein Versuch zur Konsolidierung der TFH in Berlin seien.

Unter besonderer Beteiligung maßgebender Bildungsfachleute des Landtages, der Parteien und Hochschulen in NRW wurde in Düsseldorf im Juni 1975 der Länderausschuß erstmals zu einem Forum, bei dem die in NRW existierenden Gesamthochschulen und die bisherigen Erfahrungen mit ihnen nochmals vorgestellt und deren Konzepte eingehend diskutiert wurden. Die Fachhochschule Düsseldorf gab hierzu eine Broschüre heraus.

Die noch 1975 fällige Vollversammlung wurde aus Sparsamkeitsgründen (angespannte Wirtschaftslage) auf das nächste Jahr verschoben, womit auch der erste Anstoß für den zweijährigen Turnus erfolgte.

Die herbstliche Länderausschußsitzung im Oktober 1975 in München diente der Materialsammlung zu verschiedenen aktuellen Problemen.

Die Vollversammlung vom 26. März 1976 in Frankfurt/Main hatte als ein Hauptthema die Studienmodelle in der Ausbildung der Elektroingenieure.

Zweites Hauptthema war die KapVo. Hier waren bei fast allen Fachhochschulen die Aufnahmekapazitäten erhöht worden. Die Bewerberzahlen waren dahinter zurückgeblieben.

Die Gründung weiterer Fachbereichstage anderer Fachrichtungen aus dem Fachhochschulbereich hatte bisher noch nicht stattgefunden, obwohl seitens der Elektrotechnik stets Anstöße gegeben worden waren.

Die Länderausschußsitzung im Mai 1976 in Hamburg war der speziellen Situation in der Hansestadt gewidmet. Hier plante man eine einzige große allumfassende Hochschule unter der Bezeichnung Universität Hamburg. Ähnlich war auch die Länderausschußsitzung in Bingen (Herbst 1976) geprägt durch spezielle Verhältnisse im Land Rheinland-Pfalz. Es gab hier nur eine Fachhochschule des Landes mit zahlreichen Abteilungen an verschiedenen Standorten.

Die Sitzungen des Länderausschusses in Hannover und Wilhelmshaven sowie die Vollversammlung in Darmstadt und ihre vorbereitende Länderausschußsitzung in Dieburg befaßten sich im Jahre 1977 mit für die Arbeit praktischen Fragen wie Statistiken, Literaturdiensten, Kapazitätsfragen und dem Numerus Clausus, jeweils bezogen auf die Elektrotechnik. Herr Prof. Schuchardt wurde als Vorsitzender in Darmstadt wiedergewählt.

Der von Prof. Heim, Esslingen, erstattete Bericht zur Lage der Fachhochschule war von ausgezeichneter analytischer Qualität und beeinflußte lange Jahre die Arbeiten. Die beschlossene Satzungsänderung ergab endgültig einen zweijährigen Turnus für die Vollversammlungen.

Die Gründung einer Arbeitsgruppe Studienprogramm unter Vorsitz von Prof. Theda wurde auf der Länderausschußsitzung in Saarbrücken beschlossen. Da die KMK Studienreformkommissionen gebildet hatte, (Beschluß vom 16. Feb. 1978), kam den Ergebnissen der Arbeitsgruppe hohe Bedeutung zu, um rechtzeitig die Vorstellungen der Elektrotechnik an Fachhochschulen vorzulegen.

Die besondere Situation der Elektrotechnik in Schleswig-Holstein wurde im Juni 1978 in Kiel beleuchtet. Im großen Rahmen eingebettet (Festwoche zur 20-Jahr-Feier) fand auf der Länderausschußsitzung im Oktober 1978 in Bielefeld die Frage der Nachdiplomierung (infolge der neuen Hochschulgesetze) besondere Aufmerksamkeit. Die Arbeiten am Studienprogramm gingen forciert weiter. Die Forschungsförderung wurde angesprochen. Bemerkenswert war auch die Gründung des Fachbereichstages Maschinenbau im Rahmen der Bielefelder Festwoche.

Die Sitzungen des Länderausschusses in Nürnberg (März 1979), in Berlin (Juni 1979 bei der Fachhochschule der Deutschen Bundespost) und in Frankfurt/Main (Oktober 1979) dienten der Vorbereitung der Vollversammlung, die am 19. Okt. 1979 in Frankfurt/Main durchgeführt wurde (36 Vertreter der Fachbereiche anwesend). Das Thema Mikroelektronik behandelte hier Prof. Dr. von Weiss auch im Hinblick auf die Auswirkungen auf die Lehre. Der Rahmenstudienverlaufsplan wurde von Prof. Neukamm vorgestellt.

In Wuppertal an der Gesamthochschule (März 1980), Bremen (Juni 1980) und Berlin (Oktober 1980) wurden vom Länderausschuß die jeweilige örtliche, die Landessituation, das Studienprogramm, die Berufungspraxis sowie die Stellung der Elektroingenieure im öffentlichen Dienst und Studienangebote im Ausland behandelt.

Die Sitzungen 1981 in Berlin (TFH), Koblenz (FH des Landes Rheinland-Pfalz), Darmstadt (FH, Mitte Juni) und die Sitzung in Dieburg am Vortage zur Vollversammlung am 16. Okt. 1981 befaßten sich mit den Reaktionen auf die im Januar 1981 herausgegebene Erklärung des Fachbereichstages Elektrotechnik "Zur Lage und Entwicklung der Fachbereiche Elektrotechnik an Fachhochschulen" und arbeiteten am Studienprogramm weiter. Studienreformkommissionen, neue Diplomprüfungsordnungen in verschiedenen Bundesländern mit vielen Übergangsregelungen, teilweise unentschlossene Landesministerien mit stets wechselnden Meinungen, die ihre Vorgaben ständig durch neue ersetzen, führten in einigen Ländern zur völligen Unübersichtlichkeit und zu Mengen eingereichter aber nicht genehmigter Prüfungs- und Studienordnungen.

Eine ständige Problematik dieser Jahre: Aus fachlicher Sicht waren in den meisten Bundesländern nach Meinung der Professoren die Anforderungen mit jeder staatlichen Reform weiter gesenkt worden. Daher wurde mit Hochdruck am Studienprogramm seitens unseres Ausschusses weiter gearbeitet.

Auf der Darmstädter Vollversammlung wurde Prof. Graubner (FH Hannover) zum Vorsitzenden gewählt, nachdem Prof. Schuchardt nicht mehr kandidiert hatte.

Auf der nächsten Länderausschußsitzung in Hannover (März 1982) wurden Prof. Dr. Mller (Bremen) und Prof. Schrupp (München) zu stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Die Weiterbildung der Professoren wurde diskutiert.

Auf der Länderausschußsitzung in Düsseldorf im Oktober 1982 wurden in scharfer Form Kompensationsregelungen für eine mangelhafte Leistung einer Abschlußprüfung in einem Fach sowie die Herabsetzung der Anforderungen z.B. durch das Streichen ganzer Fächer und die Bürokratisierung des Prüfungswesens in NRW abgelehnt.

Die Sitzungen in Offenbach im März 1983 sowie in Hannover (Juni 1983) führten die umfangreichen Arbeiten in Vorbereitung der nächsten Vollversammlung fort. Die Arbeitsergebnisse der jeweiligen Ausschüsse wurden intensiv beraten und neue Aufträge an diese erteilt. Einer vorbereitenden Länderausschußsitzung in Frankfurt folgte dann am 14. Okt. 1983 die Vollversammlung an gleicher Stelle. Der Generalsekretär des VDE, Prof. Dr. Dietrich, überbrachte die Grüße zum zehnjährigen Bestehen des Fachbereichstages Elektrotechnik, während Direktor Ohmann (Siemens AG) über die "Anforderungen an den Ingenieur aus der Sicht der Industrie" referierte. Die Vollversammlung verabschiedete nach dem Bericht von Prof. Schrupp (München) "Grundsätze zum Studium und Grundsätze zu Prüfungen im Studiengang Elektrotechnik an Fachhochschulen" sowie nach dem Referat von Prof. Theda (Darmstadt) das "Studienprogramm und Lernziele für den Studiengang Elektrotechnik an Fachhochschulen. Die jahrelangen Arbeiten mit einer bundesweiten Beteiligung sehr vieler Professoren aus allen beteiligten Fachgebieten waren damit erfolgreich abgeschlossen worden.

Auf den Länderausschußsitzungen in Koblenz und Esslingen im Jahre 1984 koordinierten die Mitglieder laufende Arbeiten, untersuchten Eingangsvoraussetzungen, Eingangsniveau und Eingangstestmethoden mittels der Forschungsergebnisse hierzu aus Baden-Württemberg.

Die im Länderumlaufverfahren genehmigte Stellungnahme des Fachbereichstages Elektrotechnik "Zur Überlast in den elektrotechnischen Studiengängen an Fachhochschulen" war am 1. Sept. 1984 publiziert worden. Der Länderausschuß genehmigte sie nochmals auf seiner Herbstsitzung (Sept. 1984) in München und nahm die Anregungen aus dem Besuch bei Siemens in München-Neuperlach-Süd (Informatik, Optoelektronik, Mikroelektronik) in seine Arbeitsprogramme auf.

Das "Deutsch-Französische-Hochschulinstitut" an der FH Saarbrücken, Studiengang Elektrotechnik, fand bei der Länderausschußsitzung in Saarbrücken im Frühjahr 1985 besondere Aufmerksamkeit (binationale Ausbildung). Bei dieser und den Fortsetzungen September 1985 in Hannover und Oktober 1985 in Mainz wurde die Vollversammlung in ihrer neuen Organisationsform vorbereitet.

Am 21. Okt. 1985 in Mainz war es soweit. Es wurden im neuen Stil ausgewählte Themen in Arbeitsgruppen behandelt (zu denen vorher vom Länderausschuß bereits erarbeitete Unterlagen verschickt worden waren). Hier waren es vier Themen (Einsatz von Kleinrechnern in Vortrag und Labor, Anforderungen elektrotechnischer Fachbereiche an DV-Anlagen, Organisationsmethoden für Studienablauf und Prüfungen, Erfahrungen mit Lehrveranstaltungen in seminaristischer Form). Der Bericht über die bisherige Arbeit in der überregionalen Studienreformkommission für Elektrotechnik nahm einen breiten Raum ein. Prof. Graubner, Hannover, wurde als Vorsitzender bestätigt.

Am 6./7. Jan. 1986 fand die Länderausschußsitzung in Dieburg statt. Hier wurden Prof. Mller, Bremen, und Prof. Schrupp, München als stellvertretende Vorsitzende bestätigt sowie Vorabstimmungen für ein Informatik-Symposium und Beratungen zum Vorgehen bei der Studienreform durchgeführt. Der Länderausschuß genehmigte im Umlaufverfahren die Empfehlungen "Informatik-Grundlagen im Rahmen des Studiums der Elektrotechnik an Fachhochschulen" als Ergebnis der Arbeiten in Feldafing vom 26. April 1986 und bestätigte dieses auch in seiner Sitzung im Herbst 1986 in Wilhelmshaven. Die eingehenden Beratungen zu den Ergebnissen aus der Studienreformkommission gingen weiter. Zu dem Entwurf der Empfehlungen der Studienreformkommission Elektrotechnik wurde dann in Berlin auf der Länderausschußsitzung im April 1987 zu wichtigen Passagen Stellung bezogen und diese den Fachbereichen bundesweit zugeschickt.

Der Länderausschuß tagte noch vor der Vollversammlung im Röntgenmuseum der FH Würzburg-Schweinfurt. Die vier Arbeitsgruppen zur Informatik in verschiedenen Studienrichtungen und der DV in den Fachbereichsverwaltungen legten unter Verwendung der gründlichen Vorarbeit im Bundesgebiet die Ergebnisse vor. Zu wichtigen Einzelfragen der Debatte über den Entwurf zur Studienreform erfolgten Einzelabstimmungen durch die Vollversammlung. Die Vollversammlung beauftragte den Länderausschuß, eine Stellungnahme zur Anerkennung von Hochschulabschlüssen in der EG zu erarbeiten, weil dort seit 17 Jahren über die Anerkennung des FH-Architektur-Diploms ohne Resultat verhandelt wurde. Die deutschen Vertretungen (Länder und Bund) wirkten schwach.

Die Beratung mit Stellungnahme zu neuen Entwürfen der Studienreformkommission wurden auch in der Frühjahrssitzung (Mai 1988) in Hannover eingehend fortgeführt. Der Fachbereichstag Elektrotechnik gab dann am 1. Juni 1988 (Umlaufverfahren nach Vollmacht durch Vollversammlung und Länderausschuß) die stark beachtete Stellungnahme "Anerkennung von Hochschulabschlüssen in der EG" per 1. Juni 1988 heraus.

Die Frühjahrssitzung des Länderausschusses im März 1989 in Dortmund diente der Themenberatung zur Vorbereitung der nächsten Vollversammlung. Das Projekt LADIS (Mikroelektronik) wurde diskutiert und als Nachfolger von Prof. Schrupp (wegen Eintritt in den Ruhestand) Prof. Knuppertz (Düsseldorf) als stellvertretender Vorsitzender gewählt. Stiftungsprofessuren wurden angedacht.

Die Länderausschußsitzung am 12. Nov. 1989 in Düsseldorf überprüfte nochmals die Regie der Vollversammlung am 12./13. Nov. 1989 in Düsseldorf. Im großen Rahmen nahmen führende Vertreter von Wirtschaft, Politik, Hochschulen und technisch-wissenschaftlichen Organisationen auch mit eigenen Beiträgen teil. Ein Hauptthema war "Einflußgrößen auf die Studienkonzepte der Fachbereiche Elektrotechnik der Fachhochschule", das von vier Arbeitsgruppen behandelt wurde. Die Gliederung in Informatik, Anforderungen durch den erweiterten EG-Markt nach 1992, Weiterbildung sowie Forschung und Lehre entsprach den aktuellen Schwerpunkten.

Die Empfehlungen der Studienreformkommission wurden erläutert und diskutiert. Prof. Graubner referierte über mögliche (positive) Veränderungen des Curricular-Normwertes. Prof. Graubner kandidierte nach zwei Amtsperioden nicht mehr bei der Wahl des Vorsitzenden. Als sein Nachfolger wurde Prof. Knuppertz, FH Düsseldorf, gewählt. Die Wahl von Prof. Khakzar, FH Esslingen, zum stellvertretenden Vorsitzenden erfolgte auf der Länderausschußsitzung im Frühjahr 1990 in Soest (GH Paderborn; Abt. Soest). Beschlüsse zur Bearbeitungsdauer von Diplomarbeiten und zu den früheren DDR-Studiengängen wurden gefaßt. Die Herbstsitzung des Länderausschusses in Esslingen im November 1990 nahm Stellung zur CIM-Ausbildung, der Bewertung von Landesgesetzen und der KMK-Lehrverpflichtungsverordnung jeweils bezogen auf die Elektrotechnik an Fachhochschulen.

Auf der Länderausschußsitzung im Juni 1991 in Emden wurde beschlossen, die Vertreter von Berlin (Ost) und Mittweida zur nächsten Vollversammlung einzuladen sowie die Vertreter aller Hochschulen, die bis zu diesem Zeitpunkt vorhanden waren. Die Vollversammlungsregie wurde auf der Sitzung des Länderausschusses in Trier am 27. Okt. 1991 nochmals besprochen. Die Vollversammlung am 28. Okt. 1991 in Trier, eingebettet in die allgemeine Lage der Fachhochschule zu Beginn der 90-er Jahre, hatte ein sehr umfangreiches Arbeitsprogramm mit "Instrumentarien für Organisation und Konzeption des Studiums der Elektrotechnik in Fachhochschulstudiengängen", welches in sechs Arbeitsgebiete: Ressourcen der elektrotechnischen Fachbereiche; Mitarbeiterstruktur; Auslandskooperationen; Eingangsvoraussetzungen, Strukturen und Probleme des Grundstudiums unterteilt war. Die Empfehlungen des Wissenschaftsrates "Zur Errichtung von Fachhochschulen in den neuen Bundesländern" (verabschiedet vom WissRat am 5. Juli 1991) waren vom Vorsitzenden nach Absprache mit dessen Mitglied Prof. Schulte für die Elektrotechnik aufbereitet und der Vollversammlung vorgelegt worden. Die ersten Kollegen aus den neuen Bundesländern Prof. Brösicke (Gründungsdekan Ostberlin), Dr.-Ing. habil. D. Reinert (Gründungsdekan Mittweida) und Prof. Blecken (Gründungsdekan Jena) waren sehr herzlich von der Vollversammlung begrüßt worden und berichteten über die enormen Verständnisschwierigkeiten für die in den neuen Bundesländern nahezu unbekannte Form der Fachhochschule. Alle neuen Länder benötigten auch komplette neue Gesetzeswerke für das Hochschulwesen, um eine gesicherte Arbeitsbasis zu haben. Abschließend diskutierte die Vollversammlung Aufgaben und Trends.

Im Zeitraum bis zur nächsten Vollversammlung fanden fünf Länderausschußsitzungen in Gießen und Mittweida im Jahre 1992, in Lemgo, Nürnberg und Dresden im Jahre 1993 statt. Auf der ersten dieser Sitzungen bei der FH Gießen-Friedberg war der Länderausschuß bereits komplettiert worden mit Vertretern aus allen neuen Bundesländern. Hauptarbeitsgebiete waren immer wieder beträchtliche Anstrengungen, die stagnierende zentrale Studienreform in Bonn (durch Blockade einzelner Länder gegenüber der Mehrheit der Länder) vorwärts zu bringen. Seitens der Elektrotechnik wurden alle erforderlichen Arbeiten jeweils am schnellsten erledigt. Gegen so interpretierte Eingriffe in die Hochschulautonomie durch beabsichtigte Maßnahmen in einigen Bundesländern faßte der Länderausschuß Stellungnahmen und sorgte für deren Verbreitung. Eine klare Richtung gab der Länderausschuß vor hinsichtlich der Berufsakademien: "Der Länderausschuß lehnt die bundesweite Einführung der Berufsakademien ab. Er bezieht sich dabei auf die Beschlüsse der FRK in Düsseldorf vom Oktober 1992"

Die Vollversammlung (Regiekoordination am Vortage) in Dresden (15. Nov. 1993) fand eine große Resonanz bei Hochschulen, Politik, Industrie, Wirtschaft und thematisch zugeordneten Organisationen und Verbänden. Neben kleineren Änderungen der Satzung wurde in diese die Erhebung eines Mitgliedsbeitrages aufgenommen. Die Vollversammlung bestätigte den Vorsitzenden Prof. Knuppertz FH Düsseldorf durch Wiederwahl. Eine wesentliche Standortbestimmung Elektrotechnik-Informatik nahm die Versammlung durch die Verabschiedung von insgesamt 9 Thesen vor. Die vom Länderausschuß und dessen Arbeitsgruppen vorgelegten Eckdaten zur Studienstruktur der FH-Studiengänge wurden nach eingehenden Erörterungen verabschiedet. Die Vollversammlung befaßte sich noch mit der Einhaltung der Regelstudienzeit sowie exemplarisch mit Angewandter Forschung und Entwicklung an Fachhochschulen in Studiengängen der Elektrotechnik, Umsetzungen der Empfehlungen des Wissenschaftsrates und Möglichkeiten der Realisierung im Freistaat Sachsen. Zur Evaluation der Lehre wurden 7 Thesen angenommen.

Gemeinsam mit dem VDE wurde in Feldafing vom 20. - 22. Feb. 1994 (incl. Länderausschußsitzung) eine grundlegende Konzeption für ein Studienprogramm erarbeitet. In Stralsund (Länderausschußsitzung 30. Juni/1. Juli 1994) wurden diese Arbeiten intensiv fortgesetzt. Da eine Gemeinschaftsarbeit mit dem VDE geplant worden war, waren immer wieder zahlreiche Gremien und deren Arbeiten, Meinungen und Beschlüsse zu berücksichtigen mit der Konsequenz neuer Verhandlungen, Beratungen und Abstimmungen. Die neue Fassung wurde gebilligt. Prof. Khakzar - Esslingen trat in den Ruhestand und legte sein Amt als stellvertretender Vorsitzenden nieder. Als sein Nachfolger wurde Prof. Steiniger - FH Lausitz (Senftenberg) gewählt. Die Problematik "Profilbildung" wurde angeschnitten (HRK, Prof. Landfried mit Vorsitzenden der Fachbereichstage).

Im November des Jahres 1994 traf sich der Länderausschuß in Schmalkalden. Alle sechzehn Länder und der Bund waren vertreten. Prof. Mller, Bremen, schied nach über zwanzigjähriger Tätigkeit für den Länderausschuß aus Altersgründen aus. Als sein Nachfolger im Amt des stellvertretenden Vorsitzenden wurde Prof. Hahn, Gießen-Friedberg , gewählt. Es wurden grundlegende Abstimmungen über die vorbereitenden Arbeiten zur nächsten Vollversammlung vorgenommen auch hinsichtlich Kompatibilität, Bandbreiten usw. beim Hochschulwechsel. Der Länderausschuß setzte auch eine Arbeitsgruppe zur Profilbildung ein. Die Arbeiten zur praktischen Realisierung des Mitgliedsbeitrages gingen weiter.

Im Februar 1995 erschien, erstmals seit Bestehen des Fachbereichstages Elektrotechnik, eine gemeinsame Veröffentlichung mit dem VDE zum Thema "Struktur und Inhalte eines zukunftsorientierten Elektrotechnik-Studiums an Fachhochschulen in Deutschland" als Schlußergebnis langwieriger Beratungen und zäher Verhandlungen.

In der Länderausschußsitzung im Frühjahr 1995 in Bochum wurden Verfahren zur Umsetzung dieser gemeinsamen Erklärung beraten und die Planungen für die nächste Vollversammlung eingeleitet.

Die Länderausschußsitzung in Regensburg am 29. Okt. 1995 ordnete die Abläufe für die dann am 30. Okt. 1995 in Regensburg durchgeführte Vollversammlung. Nach einleitenden Referaten von grundsätzlicher Bedeutung des Vizepräsidenten der HRK, Prof. Klockner, und des Vertreters aus dem Bonner BMBF, Dr. Reinert, widmete sich die Vollversammlung der Umsetzung der Empfehlungen der gemeinsamen Erklärung des VDE und des Fachbereichstages Elektrotechnik. Die drei Hauptthemen "Fachhochschulen als Partner im Technologietransfer", "Alternative Studienformen an Fachhochschulen" und "Organisationsfragen der Fachbereiche" wurden in Arbeitsgruppen behandelt und deren Ergebnisse dem Plenum vorgestellt.

Ein angenommener dreiteiliger Beschlußantrag beinhaltete eine Erklärung des Fachbereichstages Elektrotechnik zum Grundstudium, eine Regelung für die gegenseitige Anerkennung des Grundstudiums bei Hochschulwechsel sowie die Vorgabe, die vorgetragenen Studienstrukturen bis zum Jahre 2000 in den Prüfungsordnungen umzusetzen. Aus gesundheitlichen Gründen legte Prof. Knuppertz, Düsseldorf, sein Amt als Vorsitzender nieder. Die Vollversammlung wählte Prof. Hahn, Gießen-Friedberg, zum neuen Vorsitzenden des Fachbereichstages Elektrotechnik.

Die Frühjahrssitzung (31. März 1996) des Länderausschusses bei der Fachhochschule Lausitz fand am Standort Cottbus statt. Inzwischen konnte die organisatorische Basis für die von der Vollversammlung eingeführte Beitragserhebung geschaffen werden und die bundesweite Zahlungsaufforderung herausgeschickt werden. Eine Redaktionskommission zur Überarbeitung der Satzung wurde gebildet.

Die Satzungsänderung war auch auf der Hamburger Sitzung des Länderausschusses (7./8. Nov. 1996) ein Thema neben wichtigen organisatorischen Fragen und statistischen Erhebungen zu Studienanfängern und Absolventen. Entwicklungstendenzen von Fachinhalten der Elektrotechnik an Fachhochschulen wurden pointiert und mit den sich daraus ergebenden Konsequenzen sehr kritisch aufgezeigt.

Das umfangreiche Arbeitsvolumen erforderte in der ersten Hälfte des Jahres 1997 eine zweitägige Sitzung des Länderausschusses in Berlin (22./23. Mai 1997). Hierbei war die thematische Präzisierung der Hauptberatungspunkte für die Vollversammlung vorrangig. Die zugehörigen Aufgabenkomplexe wurden definiert und zur Vorbereitung individuell in die Verantwortung von Kollegen übergeben. Das weitere Programm (Referate, Gastvorträge, Rahmen) und die Zeitverwaltung konnten bereits weitgehend abgeklärt werden. Neben der Hochschulsituation in Berlin wurden Personalfragen diskutiert.

Auf einer weiteren Sitzung des Länderausschusses in Frankfurt-Main (am 1.Okt. 1997), Gastgeber VDE, wurden die zwischenzeitlich erarbeiteten Papiere und die eingegangenen Stellungnahmen ausdiskutiert und zu Beschlußvorlagen an die Vollversammlung mit einstimmigen Voten des Länderausschusses fortentwickelt.

Die der Vollversammlung vorausgehende Länderausschußsitzung in Wolfenbüttel am 2. Nov. 1997 konnte daher zeitlich und thematisch begrenzt werden. Der Vorschlag an die Vollversammlung für die Wahl des Vorsitzenden wurde einstimmig verabschiedet, einige organisatorische Fragen wurden gelöst und die Herausgabe der vorliegenden Broschüre diskutiert. Mit großer Betroffenheit nahm der Länderausschuß zur Kenntnis, daß Herr Prof. Schimke (Nürnberg) plötzlich verstorben war. Herr Kollege Schimke war Vertreter des Freistaates Bayern im Länderausschuß und hatte sich um den Fachbereichstag Elektrotechnik verdient gemacht.

In der Fachhochschule Braunschweig-Wolfenbüttel am Standort Wolfenbüttel fand die Vollversammlung des Fachbereichstages Elektrotechnik erstmalig im Bundesland Niedersachsen statt. Nach einer musikalischen Eröffnung hieß der Präsident der Fachhochschule Prof. Dr. Umbach die Teilnehmer willkommen. Der Vorsitzende Prof. Dr. Hahn begrüßte u.a. als Vertreter des Deutschen Fakultätentages für Elektrotechnik (DFTE) die Herren Professoren Dr. Büchner (Vorsitzender) und Dr. Gerlach (Vorsitzender der Ständigen Kommission) und leitete über zu einem Vortrag von Herrn Dr. Enderlein (ehemaliger Kultusminister im Land Brandenburg) zur aktuellen Hochschulpolitik . Ferner analysierte in einem weiteren Referat Herr Dipl.-Ing. H. E. Scholz (Vorsitzender des VDE-Ausschusses "Ingenieurausbildung") den Komplex "Bildung und Ausbildung des Elektroingenieurs".

Die Vollversammlung arbeitete die einzelnen Beschlußvorlagen ab in der Systematik: Einführung durch ein Länderausschußmitglied, Diskussion, eventuelle Änderungsvorschläge und Abstimmung. Verabschiedet wurden folgende Vorlagen (z.T. mit Änderungen):

Die Beschlußvorlage über "Rahmenbedingungen" zur Erteilung des Stimmrechts im Fachbereichstag Elektrotechnik (FBTE) wurde nach zahlreichen konträren Diskussionsbeiträgen zur Überarbeitung an den Länderausschuß zurückverwiesen. Nach dem Kassenbericht erfolgte die Entlastung des Vorstandes.

Herr Prof. Dr. Hahn teilte mit, daß er mit Ablauf dieser Vollversammlung das Amt des Vorsitzenden wegen baldiger Erreichung der Altersgrenze niederlegt. Er schlug der Vollversammlung im Auftrag des Länderausschusses Herrn Prof. Dr. Mathée, FH Dieburg, als seinen Nachfolger vor. Herr Prof. Dr. Mathée stellte sich, seinen Werdegang und seine Vorstellungen zur Arbeit vor. In der nachfolgenden geheimen Wahl wurde Herr Prof. Dr. Mathée zum neuen Vorsitzenden des Fachbereichstages Elektrotechnik gewählt. Er dankte der Vollversammlung und würdigte ausführlich die intensive Arbeit und die Leistungen des nun scheidenden Vorsitzenden Prof. Dr. Hahn.

II. Eine kurze Bewertung zur 25-jährigen Existenz

Der 1973 gegründete Fachbereichstag Elektrotechnik wurde von je einem Vertreter aller elektrotechnischen Fachbereiche aus jedem anerkannten, einschlägigen Fachhochschulstudiengang, unabhängig vom Hochschultyp und vom finanziellen Träger der Hochschule, gebildet. Die Satzung nennt drei Aufgaben:

    1. Erarbeitung von Stellungnahmen und Empfehlungen zu allen Angelegenheiten, die anwendungsorientierte Studiengänge der Elektrotechnik betreffen.

    2. Zusammenarbeit mit anderen an diesen Angelegenheiten interessierten Gremien

    3. Erfahrungsaustausch

Im Rückblick ist eindeutig die tatsächliche Erfüllung dieser Aufgaben zu konstatieren.

Zu a) Als Beispiel für bundesweit abgesetzte Stellungnahmen und Empfehlungen seien genannt:

Stellungnahme zum Übergang zwischen anwendungs- und forschungsorientierten Studiengängen

5. Oktober 1973

Stellungnahme zur Ingenieurausbildung in anwendungsorientierten Studiengängen

25. Oktober 1974

Programm für den Studiengang Elektrotechnik

etz Bd. 100 (1979) Heft 12

Lage und Entwicklung der Fachbereiche Elektrotechnik an Fachhochschulen

Januar 1981

Überlast in den elektrotechnischen Studiengängen an Fachhochschulen

1. September 1984

Informatik-Grundlagen im Rahmen des Studiums der Elektrotechnik an Fachhochschulen

26. April 1986

Anerkennung von Hochschulabschlüssen in der EG

1. Juni 1988

Struktur und Inhalte eines zukunftsorientierten Elektrotechnik-Studiums an Fachhochschulen in Deutschland

Februar 1995 / gemeinsam mit dem VDE

Die satzungsgemäßen Aufgaben werden sachorientiert und arbeitsintensiv durchgeführt. Der Fachbereichstag Elektrotechnik hat seine Aufgaben erfüllt.

Das bedeutet aber keineswegs eine Zufriedenheit mit dem aktuellen Stand. Hiermit ist nicht die latente Unzufriedenheit mit dem Bestehenden gemeint, die als der Initiator des Fortschritts notwendig ist, sondern ein Unbehagen über permanente Strukturschwächen, die nicht spezifisch für die Elektrotechnik an Fachhochschulen sind.

Nicht zufrieden sind wir u.a. besonders mit:

Der Fachbereichstag Elektrotechnik und dessen Vertreter haben in einer Vielzahl von Stellungnahmen in den Gremien, in denen sie dies konnten (es waren viele), für Verbesserungen "gekämpft". Es gibt zwar Erfolge, jedoch müssen die Anstrengungen fortgesetzt werden. Hierbei ist die Einbettung der Arbeit in das spezifische Spektrum der derzeit 16 Bundesländer, die für die jeweilige Bildungspolitik zuständig sind, sowie in die Entscheidungsstruktur demokratisch organisierter Prozesse manchmal hemmend.

Der Fachbereichstag Elektrotechnik ist seit seiner Gründung nicht standespolitisch orientiert, sondern bleibt dem Gemeinwohl verpflichtet.

Aus einem damals kleinen Kreis wurde in einem Vierteljahrhundert eine große Organisation.