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Walter Bruch

Krieg der Systeme

Im Streit um die verschiedenen Farbfernsehsysteme ging es nicht um das technisch beste System. Vielmehr wurde der Konflikt von politischen und wirtschaftlichen Machtinteressen bestimmt. Was mit einer deutschen Entwicklung harmlos begann, endete in einem Kräftemessen zwischen Frankreich und Deutschland.

Als eine Gruppe amerikanischer Wissenschaftler 1953 das NTSC System erfand, schufen sie damit eine großartige Innovation, allerdings kämpfte das Farbfernsehen noch mit verschiedenen Kinderkrankheiten. 1956 gelang es dem französischen Techniker Henri de France das Prinzip des amerikanischen Systems zu verbessern – SECAM war geboren.

Der französische Ministerpräsident Charles De Gaulle verfolgte seit seiner Machtübernahme 1958 das Ziel, Frankreich als eine „Grande Nation“ zu etablieren. Trotz verhärteter Fronten im Kalten Krieg zwischen Ost und West ging er stets seinen eigenen Weg – der Nato-Austritt Frankreichs 1966 ist dafür nur ein Beispiel unter vielen. Vor allem auf technischem Gebiet sollte Frankreich eine Vorreiterrolle spielen. Das eigene Farbfernsehsystem bot De Gaulle dafür optimale Chancen, denn als einer der ersten Politiker Europas hatte er die Macht und die Möglichkeiten des Fernsehens erkannt.

Als Deutschland 1963 ein Konkurrenzsystem entwickelte, welches SECAM zudem qualitativ überlegen war, begann eine heikle politische Gradwanderung. Speziell vor dem Hintergrund des 1963 geschlossenen deutsch-französischen Freundschaftsvertrages war die Konkurrenz auf fernsehtechnischem Gebiet für die politischen Entscheidungsträger beider Staaten eine brisante Situation.

1965 eskalierte der Konflikt, als ein Skandal alle bis dahin geschehenen Bemühungen um ein einheitliches europäisches System zunichte machte. Bei ihrer Zusammenkunft auf der CCIR-Konferenz in Wien, wo Techniker aus ganz Europa über ein einheitliches Farbfernsehsystem diskutieren wollten, erfuhren die Fernsehexperten aus der Presse von einem sowjetisch-französichen Vertragsschluss. Zwei Tage vor der entscheidenden Konferenz waren somit für den gesamten Ostblock die Würfel für SECAM gefallen. Doch die französische Rechnung ging nicht auf: die erwartete Sogwirkung auf die westeuropäischen Staaten blieb aus.

Trotz zahlreicher SECAM-Vorführungen auf der ganzen Welt und massivem politischen Druck war das deutsche PAL-System nicht vom Markt zu verdrängen. Vor allem dank der Durchsetzungskraft und dem Enthusiasmus von „Papa PAL“ (Walter Bruch) behauptete sich das PAL-System in über 60 Ländern dieser Erde.