Zur Geschichte und Gegenwart der Stadt Penig


Die Stadt Penig liegt im Landkreis Mittweida und hat gegenwärtig etwa 7500 Einwohner.

Die Entwicklung Penigs vom slawischen Fischerdorf im 11./12. Jahrhundert zur Industriestadt im 19./20. Jahrhundert (erste urkundliche Erwähnung als Stadt im Jahre 1313) wurde wesentlich von seiner geographischen Lage begünstigt. An einer Muldenfurth querte die alte Salzstraße von Halle kommend, über Altenburg dann weiter über Chemnitz bis Prag führend (deshalb "Böhmische Salzstraße" genannt), die Ortslage Penig.

Da diese Straße in Kriegszeiten auch Heerstraße war, durchzog allerlei Kriegsvolk Penig. Berühmte Persönlichkeiten weilten in den Mauern der Stadt. Darunter Wallenstein (1632), der Schwedenkönig Karl XII (1707), die russischen Zaren Peter der Große (1719) und Alexander (1813) sowie der preußische Marschall Blücher (1813).

Der reiche Waldbestand (vom Erzgebirgskamm bis ins Vorland herabreichender Miriquidi-Wald) und das durchaus beachtliche energetische Potential der Zwickauer Mulde führten bereits 1537 zur Errichtung einer Papiermühle, womit der Grundstein für die traditionelle Peniger Papierherstellung gelegt war.

1852 errichtete Adolf Oeser die "Peniger Maschinenfabrik und Eisengießerei". Die Nähe zum damals bedeutendsten Maschinenbauzentrum Deutschlands - Chemnitz und die günstige Lage an der Fernstraße Chemnitz - Leipzig (heute B 95) förderten die Entwicklung des aufstrebenden Industriestandortes Penig.

1835 stellte Ferdinand Traugott Flinsch (nach ihm ist eine Peniger Straße benannt) die erste Papiermaschine in Sachsen in der Peniger Papierfabrik auf.

Nach der "Wende" wurde die "Peniger Patentpapier-Fabrik" in ihrer ursprünglichen Struktur aufgelöst. Die Peniger blieben aber der Papierherstellung treu. Heute existieren drei kleinere, spezialisierte Betriebe.

Die ehemalige Maschinenfabrik wurde 1952 VEB und spezialisierte sich auf Getriebefertigung (seit 1962 "Getriebewerk Penig"). Heute produzieren in dem 1990 privatisierten Betrieb "Flender Getriebewerk Penig" 500 Beschäftigte (als größtes ostdeutsches Getriebebauunternehmen) u.a. das z.Zt. modernste Zahnradgetriebe der Welt.

Mit der Eröffnung der Eisenbahnlinie Penig-Narsdorf 1872 und der Strecke Penig-Glauchau 1875 wurde eine günstige Verkehrsanbindung auf dem Schienenwege geschaffen.

1877 entstand mit der Herstellung von Emaillewaren ein weiterer traditioneller Industriebetrieb. Das "Muldentaler Emaillierwerk Penig" ist heute größter Hersteller von emaillierten Ofenrohren in ganz Deutschland.

Auf der Grundlage der Leineweberei im ausgehenden Mittelalter hatte sich in Penig im 19. Jahrhundert das Färben und Bedrucken von Stoffen als Veredelungsgewerbe herausgebildet. Der aus der 1874 gegründeten Stoffdruckerei Adolf Glaser hervorgegangene spätere DDR-Betrieb "VEB Modedruck" mußte seine Produktion nach der Wende (nach dem "Wegbrechen der Ostmärkte") einstellen.

Penig ist trotz einiger Rückschläge einer der wenigen Standorte im Landkreis Mittweida, wo die Industrie ein wichtiger Wirtschaftsfaktor geblieben ist.

Mit der Anlage des Gewerbegebietes an der B 95 versprechen sich Stadtverwaltung, ansässiges Gewerbe und nicht zuletzt die Einwohnerschaft (Arbeitsplätze!) einen wirtschaftlichen Aufschwung in der traditionellen Industriestadt.

Penig ist nicht nur ein bedeutender Wirtschaftsstandort, Stadt und Umgebung bieten eine Reihe von Sehenswürdigkeiten und Touristenattraktionen.

Als besonderer "Magnet" gelten die "Kellerberge" - ein unterirdisches Labyrinth von Gängen mit 2000 m Länge. Hier wurden seit 1511 leichtverderbliche Waren, vor allem aber das hausgebraute Bier, kühl gelagert.

Seit 1706 gibt es in Penig eine Brauerei, wodurch das häusliche Brauen an Bedeutung verlor und schließlich eingestellt wurde. Die Brautradition wird heute von der "Ersten Peniger Familienbrauerei" fortgesetzt.

Sehenswert ist auch die Peniger Stadtkirche (Einweihung 1515) wegen der außergewöhnlichen Deckengestaltung - einer barocken Bilderdecke von 1688.

Empfehlenswert sind weiterhin ein Spaziergang durch den Naturpark "Köbe", ein Ausflug zur naheliegenden Rochsburg oder (bzw. damit verbunden) ein Besuch der malerisch im Wald liegenden "Höllmühle" mit dem zu einer Kahnfahrt einladenden großen Seerosen-Teich.

In der Stadt Penig selbst gilt der "Große Topf", aufgestellt unmittelbar an der Muldenbrücke, als Wahrzeichen und Sehenswürdigkeit.

Seit August 1992 besitzt Penig ein Gymnasium.

Hoffmann, Lehrer für Geschichte am Gymnasium Penig

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